Gitschtaler Bernhard, Jamritsch Daniel: Das Gailtal unterm Hakenkreuz

Gitschtaler Bernhard, Jamritsch Daniel: Das Gailtal unterm Hakenkreuz286 Seiten
 
Art.Nr.:208
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Als vor 75 Jahren - im März des Jahres 1938 - der „Anschluss“ Österreichs an Hitlerdeutschland vollzogen wurde, ging auch das Gailtal in das „Dritte Reich“ über. Auch an der Gail wurde mit Euphorie und Hingabe der sogenannte „Anschluss“ und damit das Ende der Existenz Österreichs gefeiert, sondern auch in den entlegenen Tälern und Orten der nunmehrigen „Ostmark“ – somit auch im Gailtal. Die Aufarbeitung der NS-Zeit im Gailtal war lange marginalisiert. Mit diesem umfangreichen Werk wollen die Autoren einen Einblick in die Strukturen des NS-Systems ermöglichen. Dabei beginnt ihre Analyse nicht erst im Jahre 1938 sondern bereits Jahre davor. Sie zeichnen die Bedingungen des Aufstiegs der Nazis im Gailtal nach, analysieren die damaligen Machtverhältnisse im Tal, legen beispielgebende Täterprofile und Motive von GailtalerInnen offen, analysieren den „Kampf um die Jugend“ und die Rolle der Schule im NS-System des Gailtals und beantworten Fragen wie, warum es 70 Jahre dauerte, bis eine Auseinandersetzung mit der eigenen NS-Geschichte im Tal möglich wurde.

Den LeserInnen begegnet in diesem Werk u.a. ein junger Bruno Kreisky, der sich vor dem Anschluss einige Monate im Gailtal aufhielt, Ingeborg Bachmann, die das Kriegsende und den massiven Antisemitismus im Tal erlebte. Viel Raum wird den Opfern des NS–Systems gegeben. Die Geschichten der deportierten und teilweise getöteten Kärntner SlowenInnen aus dem Gailtal, die Arisierung von jüdischem Eigentum, Euthanasieopfer, Kriegsgefangene oder politisch Verfolgte werden umfassend und sensibel behandelt. Umfangreiches Bildmaterial zum Gailtal zwischen 1938 und 1945 rundet das Werk und die neuen Forschungsergebnisse ab. Wilhelm Baum behandelt die Beziehungen der Maler des Nötscher Kreises zum NS-Regime, vor allem am Beispiel von Anton Kolig, Franz Wiegele u. Anton Mahringer.

Durch das in Bezug setzen und Kontextualisieren von politischen, wirtschaftlichen und personellen Entwicklungen in Kärnten, Österreich und Hitlerdeutschland zwischen 1933 - 45 und danach, erreicht das Werk eine Relevanz über das Tal hinaus. Es zeigt, dass auf dem Gebiet der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus noch viel zu tun ist.

Bernhard Gitschtaler, geboren 1987 in Villach, aufgewachsen in Hermagor/Šmohor, absolvierte 2012 Politikwissenschaft und Internationale Entwicklung an der Universität Wien. Neben seiner Tätigkeit als Obmann des Vereins „Erinnern Gailtal“ ist er als Blogger und Autor unterwegs.

Daniel Jamritsch, geb. 1988 in Klagenfurt, aufgewachsen in Hermagor/Šmohor, studiert in Wien Publizistik und Kommunikationswissenschaft und ist als Blogger aktiv. Mit Bernhard Gitschtaler organisiert er den Verein „Erinnern Gailtal“.